Teilnahme am politischen Geschehen

29. Juni 2010 - 13:47 Uhr

Erstens: Die Wahl zum Bundespräsidenten. Meine Meinung ist hinreichend bekannt bzw. aus den vergangenen Beiträgen herauszulesen: es gehört mehr direkte Demokratie nach Deutschland, insbesondere ist dem sachfernen Parteigeklüngel nach Möglichkeit Einhalt zu gebieten, da dieses letztendlich nur zu Macht- und Pfründesicherung führt. Die Forderung nach mehr direkter Demokratie ist nicht per se als Allheilmittel zu verstehen, sondern möglicherweise nur als Krücke, um den Parteienunwuchs einzudämmen, denn auch Mehrheitsentscheidungen des Volkes sind nicht grundsätzlich gut oder richtig, allerdings besser legitimiert, Normenkontrollen werden auch dann wichtig und nötig sein.
Um Sachbezug und parteipolitisch belohnungsfernen Hergang der Kandidatenkür zu symbolisieren, ist Gauck zweifelsfrei die bessere Wahl, da ist es auch unentscheidend, dass er seitens der Opposition eine strategische Personalkür darstellt. Desweiteren würde ich mich einfach freuen, diesen eloquenten Mensch mit klaren Überzeugungen und einer faszinierender Vita an dieser wohlgehörten Stelle zu haben. Sein Gegner scheint mir – zugegeben, man kennt ihn hierzulande nicht wirklich gut – eher langweilig und unaufregend; um es neutraler zu formulieren: möglicherweise qualifiziert ihn seine Eigenschaft, ein erfahrener Politiker zu sein, der auf Polarisierung offenbar weitgehend verzichten zu können, für das angestrebte Amt. Übertriebene Rundheit ist allerdings zu nahe an Idealfreiheit. Zuletzt fehlt ihm eher – zumindest in dieser Personalkonstellation – der Nimbus des positiven Symbols für die Demokratie, den sein Gegner besitzt, dafür kann er zwar nichts, aber wenn nicht beim Bundespräsidenten, wo ist denn Symbolismus wichtig. Also:
( ) Wulff
(X) Gauck
( ) die eine Frau, die Gauck böserweise für den letzten Stasichef aber irgendwie die Stasi bzw. DDR für garnicht schlimm hält.

Zweitens: Volksentscheid Nichtraucherschutz. Nachdem ich nun sowohl das gültige Gesetz, als auch das vorgeschlagene gelesen habe, möchte ich – bekennender Gelegenheitsraucher mit Tendenz zum abstinenzprobenden Süchtling – wie folgt die wenigen für mich entscheidenden Punkte zusammenfassen:
– das Volksbegehren beseitigt die Möglichkeit, in Gaststätten und Discos Rauchernebenräume einzurichten vollständig,
– auch Festzelte werden ausnahmslos entwöhnt.
Ansonsten finde ich im Begehren keine nennenswerten Änderungen, vielleicht abgesehen von der Beseitigung der “Innovationsklausel” (offenbar sehen die Begehrenden nicht die Möglichkeit, dass beispielsweise ein technisch erzeugter Luftstrom die per definitionem passive Ausbreitung des Rauches zielgerichtet beeinflussen kann und dass es dadurch dem Nichtraucher möglicherweise besser ergehen könnte als auf der Terrasse, wo die Windrichtung weniger technisch bestimmt sein kann).
Ich muss zu dem Schluss kommen, dass ich das Begehren ablehnen muss. Zwar hätte ich gerne diese idiotosche vollkommene Ausnahme von Festzelten auch gerne aus dem Gesetz getilgt, denn auch hier wird man wohl erwarten dürfen, dass man sich um eine für beide Lager annehmbare Lösung bemüht, Machbarkeiten austestet und nicht alles mit einem vorgeschobenen Verweis auf “Bierzeltkultur” und “Probleme in der Umsetzung” wegwischt, denn genau das hat man dem normalen Wirt auch nicht gestattet, denn auch dieser fürchtet existentielle Ängste, die möglicherweise gerechtfertigter sind als die der Gelddruckmaschinen auf der Theresienwiese.
Trotzdem, dem werde ich nicht zu dem Preis folgen, die unversöhnliche Haltung der Initiatoren des Volksbegehrens zu stützen. Die Haupträume der Gaststätten, die Tanzflächen der Discos, alle öffentlichen Einrichtungen sowieso, Jugendeinrichtungen auch selbstverständlich, sind rauchfrei und das sollen sie auch bleiben (Einraumkneipen sind ein Problem, ok, aber auch dort muss man nicht hin). Jetzt im erneuten Anlauf alle miesen Raucher auf die Straße zu werfen zu versuchen, ist Revanche, sonst nichts. Auch ihr beseitigt nicht die Zigarettenautomaten, an denen – in Chip-Zeiten halt mit Mamis Ausweis – Jugendliche seit Jahrzehnten stressfrei an Kippen kommen (aber sie rauchen ja immerhin sozialfreundlich im Freien) und auch ihr macht keine Kohle locker für Aufklärungs- und Entwöhnungskampagnen, Sportförderung und was noch alles Gesellschaften suchtärmer macht.
Ich stimme – ohne es mir unnötig leicht zu machen – mit NEIN.

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Obama feuert MethChrystal

23. Juni 2010 - 23:16 Uhr

Manchmal ist es nur eine Schlagzeile.

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Kauder

14. Juni 2010 - 10:11 Uhr

Vom Herrn Volker Kauder konnte ich gestern ein Interview in der SZ lesen. Wochenendausgabe. Man sprach so über allerlei, aber vieles hat mich geärgert, weils irgendwie keinen Sinn ergibt.
So sprach man über Steuererhöhungen. Ich bin zwar selbst nicht entschlossen, ob es sowas braucht oder nicht, aber die Frage, warum man durch die “Einsparungen auf der Ausgabenseite” imzuge des Sparpakets der Bundesregierung – das er sofort auf “Zukunftspaket” berichtigen musste – einseitig die schwächeren sozialen Schichten belaste, etwa zu antworten, weil man im Koalitionsvertrag beschlossen habe, es gebe keine Steuererhöhungen, bringt inhaltlich überhauptnix, zeigt lediglich, dass man auch in Krisenzeiten grundsätzlich mehr geneigt ist, Parteipolitik und Klüngelbefriedigung zu betreiben, als sich mit den Problemen ernsthaft auseinanderzusetzen.
Auch sprach man über die Laufzeitverlängerungen. Sie würden kommen, auch wenn man sich noch nicht ganz einig sei, sagte er. Allerdings würden auf jeden Fall die Brennelementesteuern nur dann kommen, wenn auch die Laufzeiten verlängert würden. Argumentieren tat er damit, dass das ja sonst nur die Energiepreise hochtreiben würde. Ja, aber, sag ich da. Das Problem ist in diesem Themenkomplex ein ganz ein anderes. Diese Dinger spucken ständig monströse Gewinne aus und tun gleichzeitig so, als würde der Strom, den sie produzieren fast nix kosten. Die ganzen Kostenrisiken, die hinten dranhängen, trägt aber der Staat, da geht es im optimalsten Fall nur um wissenschaftliche Beobachtung über Jahrtausende (da kann man ja mal die Lohnkosten überschlagen und mit den Rücklagen der Betreiberfirmen vergleichen); wenn etwas mehr los ist, wird es gleich viel teurer (wer räumt denn die Asse aus?).
Wenn die ganzen Kosten am Staat hängen bleiben, dann verdient dieser auch die Gewinne, den Betreibern steht zu, was zum betreiben notwendig ist. Plus Trinkgeld. Eine Steigerung der “Erzeugungskosten” für Atomstrom würde diese Kosten also nur etwas näher an die Realität bringen.
Noch ein Thema war die Wehrpflicht. Sein wichtigstes Argument gegen Abschaffung war, dass dies das einzige Band sei, das die Gesellschaft mit dem Militär verbände. Außerdem benenne das Grundgesetz fast nur Rechte des Bürgers gegenüber dem Staat und die Wehrpflicht sei eine der wenigen aus fairnessgründen wichtigen Pflichten des Bürgers. Und wie schlimm es sei, das oben genannte Band nicht zu haben, habe man mehrmals in unserer Geschichte sehen können. Nein, Herr Kauder! Pflichten gegenüber dem Staat kann es nicht nur aus fairnessgründen geben. Der demokratische Staat versteht sich nicht als um seiner Selbst willen existent, sondern nur als Notlösung für bestimmte Probleme im Zusammenleben der Menschen. Seine einzige Aufgabe ist, dem Bürger zu dienen und er soll dazu lediglich vom Bürger verlangen, was für diese Aufgabe unumgänglich nötig ist. Im übrigen lief wohl die Wehrpflicht in unseren geschichtlich schwärzesten Zeiten am besten und man konnte schon wunderbar sympathiebildend im Kindesalter in der HJ gleichsam vorrekrutiert werden. Ich finde das trotzdem nicht erstrebenswert. In Ländern mit Berufsarmee geht es eben darum, deren Einsätze und Aufgaben in sachlichen öffentlichen Diskussionen festzulegen und kritisch zu beobachten, denn genau das schafft Rückhalt in der Bevölkerung.

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Ursula?

2. Juni 2010 - 13:47 Uhr

Wir wissen, dass sie unglücklich ist, seitdem sie nicht mehr Familienministerin sein darf, aber nachdem nun einer wegen mangelndem Amtsrespekt gegangen ist, geht schon wieder munter das Verräumen von verdienten Veteranen an (irgendsoein pseudogenialer Grottenolm hat ja auch schon dem Edmund seinen Hut in den, ähm, den, äh, Ring geworfen). Hat die Zensursula-Geschichte zwar gezeigt, dass sie offenbar nicht geeignet ist für Realpolitik (was für sie als Präsidentin sprechen würde), war sie damit gleichzeitig gefährlich nahe an den Grenzen der Verfassung (und das ist für mich eindeutig ein KO-Kriterium). Nein Ursel, nicht mit mir!
Wenn schon ne aktive Ministerin, dann doch lieber das Leuthäuschen, die wäre charakterlich befähigt. Aber mit ihr würde nunmal eine streitbare Liberale (im Justizressort dringend angeraten) aus dem Kabinett verschwinden, das würden einige nur zu gern sehen, ich nicht.
Schäuble gehörte zwar verräumt, aber ich möchte den ehemaligen Minister für Staatssicherheit nicht auch noch zum Präsi machen, wär schon irgendwie uncool.
Wie wärs denn mit Glos? Der redet nicht schnell, bei weitem nicht so kompliziert wie sein Vorgänger und außerdem könnte er sich nicht in Fakten verheddern, darauf hat man bei ihm eh aufgehört zu achten.

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Das Timing

1. Juni 2010 - 11:22 Uhr

15.4. 19:10 Der Beginn Das Timing. Ein gewisser Herr Bach hat einmal gesagt, es sei kein Geheimnis dahinter, man müsse nur die einzelnen Tasten zum richtigen Z22.4. 14:50eitpunkt drücken. Doch darum soll es ja garnicht gehen, denn, was er verschweigt bzw. voraussetzt, ist, dass das gesamte dann einem vorhandenen Masterplan folgt, einem bekannten. Doch was tut, wer planlos vor den Tasten sitzt und überlegt, wie’s weitergeht?
20.5.0 14:06 Diese Einleitun [sic] ist jetzt offiziell verkackt. Viel zu viel Musik-Allegorie, dafür aber die Unterstellung, dass auf jeden Fall ein Masterplan existiert, doch auch das ist nicht sicher.
Das Kernproblem besteht fort. Man befindet sich zu einem Zeitpunkt an einem Ort und möchte an einen, zu dem momentan kein sichtbarer Weg führt. Geht man nun zu dem Ort der so ähnlich ist, weil man ja sowieso schon nicht weiß, warum genau man zum anderen will oder schlägt man sich nach Gefühl in die erste Richtung durch.
19:30 Nein, das ist auch scheiße! Timing war schon das richtige, man muss es nur um Vokabeln wie Chance, Gelegenheit, Ausdauer, lanfristig und kurzfristig aufziehen. Dann noch Masterplan, Faustregel, Handlungsmaxime oder so.
Aber jetzt ist hier blöderweise das Buch voll. Naja, das gibt mir einen neuen Anfang.

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Vasektomie

31. Mai 2010 - 19:28 Uhr

Manchmal denke ich mir, es wäre sicher ein ganz netter Job, bei der dpa zu sitzen und mir Pressemitteilungen auszudenken. Das wäre insbesondere meist auch garnicht schwer, man müsste nur eine Begebenheit entwerfen und der Rest erledigt sich von allein, das läuft dann alles ab, wie eine Kettenreaktion. Falls man in Formulierungsnot gerät, kann man sogar auf feststehende Wortpaare zurückgreifen, die grundsätzlich greifen und unter vollständiger Abwesenheit von Neuigkeitswert auch Lapalien eine gewisse Tiefe verleihen können: Opposition – Rücktrittsvorwurf; PDS (passiv) – Kommunist; PDS (aktiv) – sozialfeindlich (insbesondere: Gysi: “hab ick doch schon immer jesagt”); Zentralrat der Juden – zutiefst beleidigt; SPD – Steuern rauf; FDP – Steuern runter; und so weiter.
Nur gelegentlich stelle ich fest, dass es mit meiner Phantasie einfach nicht weit genug her ist, wenn es ein Ölkonzern schafft, die Abdichtung eines Bohrlochs in allerbester Daily Soap-Manier von Tag zu Tag und Woche zu Woche zu verschleppen. Es ist tatsächlich beeindruckend, wie selbstverständlich man die Pläne A, B und C (oder sind wir schon weiter) seelenruhig durchnumerieren kann und angesichts eines Worst Case-Szenarios schlicht nicht auf die Idee kommen kann, zwei drei vier Pläne gleichzeitig zu verfolgen und vorzubereiten, wo doch inzwischen eh klar ist, dass man sich die Folgen schon nicht mehr leisten kann. Es würde sich kein ernsthafter Drehbuchautor so oft trauen, einen einzelnen Versuch zu versauen, dann zu sagen, den nächsten Versuch macht er erst in ner Woche und dann auch noch beim dritten Versuch den BP-Chef sowas sagen zu lassen wie “aber diesmal ohne Garantie…”. Außerdem, angeblich kann man Ölbohrlöcher dicht sprengen, ich habe allerdings noch nirgends gelesen, warum das hier nicht funktioniert. Einen Plan B hätte ich auch: in Dubai fahren doch diese Schiffe rum, die ganze Inseln aufschütten können und die können die sich sowieso nicht mehr so gut leisten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man hier mit Masse nichts erreichen kann!
Neuseeland liefert da schon lustigere Schlagzeilen, wenn der Ministerpräsident bei der Pressekonferenz von seiner Vasektomie erzählt. Endlich mal jemand, der die Wowereit-Schule für politische Themenschmiedung erfolgreich besucht hat! Tut (fast) keinem Weh, ist aber trotzdem ne Meldung wert.
Verschenkt hat, zumindest vermute ich das leider in dieser noch frühen Phase (ja, ich bin ein Stück weit ein Fan von ihm), allerdings Horst Köhler den Effekt seiner krassen Bombe. Der erste Rücktritt eines Bundespräsidenten! Krasse Nummer, nur leider wirkte er persönlich zu gekränkt, als dass er die (auch politische) Schlagkraft der Aktion noch für etwas benutzt hätte. Er hätte es spezieller mit einer Position verknüpfen können, anstatt vage mit dem “Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten”. Zugegeben, auch das könnte das politische Geschäft etwas verbessern, vielleicht nachhaltiger, als ich mir vorstellen kann, dann wäre es sehr sehr weise gewesen. Jedenfalls danke schonmal, ich denke, Sie schlafen heute gut, Herr Köhler!
Vielleicht lasse ich in nächster Zeit wieder häufiger von mir hören, wenn mein Land momentan so führungslos durch die Realität schippert. Allerdings verstehe ich auch nicht zu viel von Realität, werde aber weiterhin aufrichtig als heimlicher Präsident die Strippen ziehen – nur mit dem Samenleiterabknipsen warte ich noch ein wenig.

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Dein Arsch (Arbeitstitel)

4. April 2010 - 22:51 Uhr

Einem kreativen Hoch entsprang das erste Mal ein Songtext aus aneinandergruppierten Stereotypen, mit dem ich recht zufrieden bin; ich bezeichne ihn einfach mal als mein Erstlingswerk:

Schon wieder bist Du sauer auf mich,
warum das sein muss, das fragte ich Dich.
Doch diese Frage war nicht wirklich klug,
denn Antworten krieg ich genug.

Ich int’ressier mich nicht für Dich,
schau Dich nicht richtig an,
es gäbe keine Frage, die ich Dir beantworten kann.

Was war das gestern für ein Kleid,
kurz und eng, lang und weit?
Hat diese Strähne in ne andere Richtung gezeigt?

Wo hast Du diese kleine Narbe,
was ist Deine Augenfarbe?
Ich frage mich, muss ich das wirklich wissen.

Wenn man die Fragen nicht beantworten kann,
hat man ein ziemliches Problem als Mann.
Warum ich das nicht weiß, kann ich Dir erklärn
Du musst mir nur eine Minute zuhörn.

Ich schau Dir einfach auf den Arsch,
denn dann geht es mir gut,
wenn er beim Gehen seine liegenden Achten beschreibt,
dann muss ich sehn, wie er es tut.
Die Bewegung hält so viel Faszination bereit,
Denn die Backen wackeln mich in die Undendlichkeit.

Warst Du grade beim Friseur,
heißt der Franc oder Pierre?
Und nach welcher Frucht riecht Deine neue Spülung?

Trägst Du die Brille immer schon?
Ist das Kind da Dein Sohn,
Und ist er drei oder siebenundzwanzig?

Was Du denn beruflich machst,
acht bis vier oder nachts?
Kein Plan, ich weiß nur eines genau:

Ich schau Dir einfach auf den Arsch,
denn dann geht es mir gut,
wenn er beim Gehen seine liegenden Achten beschreibt,
dann muss ich sehn, wie er es tut.
Die Bewegung hält so viel Faszination bereit,
Denn die Backen wackeln mich in die Undendlichkeit.

Doch um eines, da muss mich keiner bitten,
wenn ich seh, dass Du sie zeigst,
weil Du Dich nach vorne neigst,
wenn ich weiß, dass Du’s nicht merkst,
weil Du Deine Nägel färbst,
wenn an einem langen Tag
ich sie einfach sehen mag
und beim warten auf den Bus
ich sie einfach sehen muss
dann schau ich, ja, dann schau ich,
dann schau ich Dir auf die – Uhr.

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Die Karwoche. Heute: Kardamom.

3. April 2010 - 04:27 Uhr

Kardamom, Eliachi [auf ayurvedisch], Elettaria cardamomum.
Kardamom ist eine stimulierende Pflanze, die das Gehirn, die Atemwege und das Verdauungssystem beruhigt. Ihre süße, wärmende Energie bringt dem Geist Freude und Klarheit und fördert insbesondere den Fluß von Prana, der Lebenskraft, durch den Körper. In Milch neutralisiert Kardamom die schleimbildenden Eigenschaften, in Kaffee entgiftet er das Koffein.
Eigenschaften: Kardamom ist ein Stimulans, ein Expektorans, ein Diaphoretikum und Aphrodisiakum. Seine Eigenschaften sind scharf und süß mit einer wärmenden, befeuchtenden Wirkung auf die Doshas. Kardamom fördert die Fett- und Stärkeverdauung, stimuliert die Milz und beruhigt einen sauren Magen und sauren Rückfluß. Zusammen mit einer Banane gegessen, unterdrückt er Erbrechen.
Indikation: Kardamom hilft bei Atemwegsbeschwerden wie Husten, Erkältungen, Bronchitis, Asthma und dem Verlust der Stimme. er unterstützt, das Verdauungssystem bei Erbrechen, Rülpsen und Indigestion. Seine stimulierenden Eigenschaften bringen geistige Klarheit und gute Laune.
Anwendung: Kardamom reduziert Kapha und Vata und stimulert Pitta.
Aufgrund seiner nervenberuhigenden Eigenschaften wirkt er ausgleichend auf einen flatterhaften hohen Vata-Zustand durch Entzünden von Agni (Feuer).
Kardamom entfernt überflüssigen Kapha-Schleim aus Magen und Lungen.
Basundi, eine Verdauungshilfe auf Milchbasis, ist gleichzeitig ein wohlschmeckender Nachtisch. Man benötigt dafür 2 Tassen Vollmilch, 2 Teelöffel Kardamompulver, 2 Eßlöffel gemahlene Mandeln und Pistazien, 1 Prise Safranpulver sowie Honig zum Abschmecken. Die Milch zum Kochen bringen. Köcheln lassen, bis die Flüssigkeit eindickt. Dabei gelegentlich umrühren, um ein Anbrennen zu verhindern. Kardamom, zerkleinerte Nüsse und etwas Honig zufügen. Unter Rühren weitere 1-2 Minuten kochen. Vom Herd nehmen und je nach Geschmack Honig zugeben. Vor dem Essen abkühlen lassen. Ausreichend für 2-3 Personen.
C. Norman Shealy: Die große Enzyklopädie der Heilkunde. Abteilung Ayurveda; Eintrag gekürzt wiedergegeben.

Hiermit endet nun auch die kulinarische Karwoche bzw. unser – ich möchte nicht versäumen, diese Zusammenstellung noch mit einem Wort in Zusammenhang zu bringen, wie es in ihrer unendlichen Weisheit nur die katholische Kirche prägen konnte und mir vor einiger Zeit beibrachte – Fastenbuffet.
Nachdem ich gerade eben Radio hörte wurde mir auch wieder bewusst, warum ich einst das erste Karwochenspecial brachte: weil es im gesamten berieselnden Kulturbereich ständig vom Ostersamstag die Rede ist. Das kratzt mich persönlich zwar nicht an meiner religiösen Überzeugung, ärgert mich aber als offenkundiges Zeichen von Ungebildetheit im Medienbereich. Und wieder einmal würde man lediglich als chronischer Nörgler hingestellt, wenn man auf sowas hinwiese.

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Die Karwoche. Heute: Karotte.

2. April 2010 - 04:28 Uhr

Möhre, Karotte; Daucus carota.
Volkstümliche Namen: Mohrrübe, Gelbe Wurzel, Gelbe Rübe, Rüebli, Wulzel, Vogelnest.
Heilwirkung: Wurzeln: verdauungsfördernd, immunstärkend, antioxidativ, wurmtreibend; Blätter: wundheilend; Samen: entwässernd, Blut reinigend, Milch bildend bei stillenden Müttern, menstruations- und empfängnisfördernd.
Symbolische Bedeutung: Lichtbringer; Signatur der Liebesgötter, Mars und Venus; Königin Anna (England).
Plantetarische Zugehörigkeit: Merkur und Venus; Wurzel = Mars.

Die Möhre oder Karotte ist ein zweijähriger Doldenblüter, der im ersten Jahr seine Wurzel und seine Blattrosette ausbildet und die Kraft der Erde aufsaugt. Im zweiten Jahr wird er von kosmischen Lichtkräften erfasst, schießt in die Höhe und bildet eine fein gegliederte, weiß strahlende Dolde, die Käfern, Fliegen und kurzrüsseligen Insekten reichlich Nektar bietet. Charakteristisch bei der blühenden Pflanze ist das Vorhandensein einer einzigen purpurbraunen Blüte inmitten der weißen Dolde. Dawinistische Biologen können sich den Sinn dieser “Mohrenblüte” nicht erklären. In England nennt man die blühenden wilden Möhren, da sie wie sorgfältigt gehäkelte Spitzen aussehen, Queen Anne’s lace, also die “Spitzen der Königin Anna”. Die Mohrenblüte soll entstanden sein, als sich die gute Königin beim Spitzennähen in den Finger stach und ein Blutstropfen in die Mitte der Stickerei fiel. In den osteuropäischen Ländern hei0t die dunkle Blüte “der Mädchen ihre Schand” oder “Ehre des Mädchens”. Sie gilt als Signatur und deutet an, dass die Pflanze etwas mit Monatsblutung, fleischlichen Gelüsten und Fruchtbarkeit zu tun hat. In Siebenbürgen heißt es, dass das Fehlen oder die Größe des Blütenflecks mit Ehrbarkeit der Jungfrauen in Beziehung steht. Früher sei der Fleck größer gewesen, heute aber sei keine Scham mehr unter den jungen Leuten. Wenn eines Tages die Möhrenblüten überhaupt keinen Fleck mehr aufweisen, dann ist es nicht mehr lange bis zum Weltuntergang.
Während des Reifens der Samen zieht sich die Blütendolde vogelnestartig zusammen – daher der Name “Vogelnest”.
Die älteste Nachricht von der Möhre stammt aus Griechenland, wo die faserige, fingerdicke, weißliche Wurzel gelegentlich gekocht und gegessen wurde.
Ob die carvitas, deren Anbau Karl der Große auf seinen Ländereien befahl, oder das morkrud der heiligen Hildegard wirklich die Möhre war, ist ungewiss. Das slawisch-germanische Wort mohra hat lediglichdie Bedeutung von “essbarer Wurzel” und kann ebenso die Gelbe Rübe, die Pastinake wie auch die Zuckerwurzel (Sium siasarum) bezeichnen. Die knackige, orangefarbene Karotte, die heutzutage in unseren Gärten gezogen wird und die inzwischen weltwirtschaftliche Bedeutung erlangt hat, gab es damals noch nicht. Die gelbe, orangerote Mohrrübe wurde im 16. oder 17. Jahrhundert zuerst in den Niederlanden gezüchtet.
Besonders im Winter, wenn unser Körper unter “Lichthunger” leidet, tun uns die Gelben Rüben gut. Als das “Osloer Frühstück” – Haferflocken (über Nacht in Milch eingeweicht und mit etwas Rohrzucken gesüßt), denen man am Morgen frisch geraspelte Möhren hinzufügte – als obligate Schulspeisung eingeführt wurde, wurden die Kinder deutlich aufmerksamer und munterer.
Schon immer wurde die Möhre mit dem Geschlechtstrieb und der Empfängnis assoziiert. Das hat wohl weniger mit der phallusartigen Signatur der heutigen Gartenkarotte zu tun als mit den kosmischen Lichtkräften, die diese Pflanze zu vermitteln vermag. Wie uns die wahrhaft Sehenden mitteilen, sind wir selbst Lichtwesen, die sich , vom Feuer der Leidenschaft unserer Eltern angezogen, in einem materiellen Körper inkarnieren.
Der Renaissancebotaniker Hieronymus Bock (1539) lässt uns wissen, “die Rübsamenwurzel bekommt der Frucht im Mutterleib [macht fruchtbar], desgleichen all denen, so tröpffelecht harnen vnnd sonst im [Ehe]Werck unvermöglich [impotent] sind”. Wenn also Bugs Bunny, der freche, Möhren knabbernde Hase aus dem Cartoon, den lispelnden, unbedarften Sonntagsjäger Elmer Fudd neckend fragt: “What’s up, Doc?”, dann ist das eine Anspielung auf uralte Assoziationen: Hasen wie auch Möhren verkörpern seit eh und je sexuelle Potennz und Fruchtbarkeit. Moderne Phytochemiker sagen es auf ihre Art: Die Pflanze enthält Porphyrine, welche die Ausschüttung gonatotropher Hormone durch die Hypophyse anregen.
Wolf-Dieter Storl: Bekannte und vergessene Gemüse. Eintrag gekürzt wiedergegeben.

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Die Karwoche. Heute: Grünkern.

1. April 2010 - 04:29 Uhr

Fränkische Grünkerncreme Suppe
Zutaten:
36% Grünkernmehl, pflanzliches Fett, jodiertes Speisesalz, Weizenmehl, Hefeextrakt, Milchzucker, Milcheiweiß, Stärke, Lauch, Karotten, Fruchtzucker, Sellerie, Kräuter, Maltodextrin, Zitronensaftpulver, Kurkuma.
Unilever Deutschland

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