Kategorie: Kulturelles


Wahrnehmungsschwellen

12. Januar 2012 - 20:02 Uhr

4.12.11 22:15 Wahrnehmungsschwellen gibt es ja viele. Für Musik sind es mal mindestens zwei: zum einen die organische.
Ist Musik zu leise ̣– zum Beispiel weil sie zu weit entfernt ist oder weil man eine Mütze trägt, während man in einem Atombunker einem Freiluftkonzert lauscht –, so 6.12. 20:17 ist möglicherweise der auf dem Trommelfell auftreffende Schalldruck zu gering, als dass er vom sensorischen Hintergrundrauschen unterschiecden werden kann und der interpretierende Cortex im Gehirn antwortet – von seinem Standpunkt aus zurecht – mit Stille, die man dann hört. Wahrnehmung ist also Illusion.
Nicht auf Illusion basiert allerdings die zweite Schwlle der Musikwahrnehmung: die intellektuelle.
Ist die absolut objektiv messbare geistige Disposition für das Verständnis von Musik auf eine Ebene festgelegt, die von der auftreffenden Musik überschritten 21:49 wird, so wird der Rezipient nur über “Geräusch” informiert werden. Dies ist ein vergleichbarer Fall mit dem umgekehrten Atombunkerhören, wenn man immernoch im Atombunker sitzt, diesmal aber eine Band in der Mütze hat und einem aus Platzmangel eine der Trompeten direkt ins Ohr föhnt. Auch hier wird einen das Geräusch dermaßen überfordern, die 11.12. 15:33 Intensität aus dem Meßbereich herausklirren, dass man auch nur auf schmerzhafte Weise von einem nichtmal mehr näher zu bestimmenden Geräusch Kenntnis erhält.
Ein ähnlicher Schmerz tritt lustigerweise auch beim Unterschreiten einer bestimmten Wahrnehmungsschwelle auf, nämlich der unteren intellektuellen, wenn der Geist sich Phantombeine ausreißt, um Geräusche, die sich 2.1.11 [gemeint ist '12] 25:46 Belgrad nachdrücklich als Musik bezeichnen oder von dritten so behandelt werden, auch eigenständig als Musik identifizieren zu können und anschließend feststellt, dass es dafür keinerlei Anhaltspunkte gibt.
Nun wird man vom Wahrnehmungszentrum allerdings nicht über “Stille” informiert, da die organische Hörschwelle ja überschritten wird. Dies ist umso mehr der Fall, als das Unterschreiten der intellektuellen Wahrnehmungsschwelle für Musik in signifikanter Weise ganz unstillig mit dem Überschreiten der organischen Pegelschmerzgrenze einher geht.
Während die organischen Schwellen, so sie sich verschieben, eher das Wahrnehmungsband verschmälern, kann die intellektuelle Wahrnehmung durch gezieltes Übersteuern (was im anderen Falle tunlichst zu vermeiden ist) ausgedehnt werden. Auch gelegentliches aufmerksames Untersteuern führt bisweilen zum Abbau der Berührungsvorbehalte und in manchen Fällen zu einer strukturellen Anreicherung des Interpretationsumfangs im Wahrnehmungskortex.

Am 6.1.12 auf der Bank der Künste veröffentlicht. Die Seite ist im übrigen uneingeschränkt empfehlenswert.

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St. Perlachin

29. September 2009 - 17:09 Uhr

Heute hab ichs doch mal wieder geschafft, zur Feier meines Namenspatronen an den wunderschönen Rathausplatz zu gehen und der dortigen Zeremonie beizuwohnen. Glücklicherweise waren diese geschwürverursachenden selbsternannten Zeremonienmeister eines lokalen Radiosenders mit den angeblich besten Hits aus so manchem Jahrzehnt und einer subjektiven Gegenwart nicht anwesend, was wiederum versprach, dass die Veranstaltung in unaufgeblasener Beschaulichkeit und Tradition ablaufen könnte.
Einen Schock verlebte ich erst, als ich dann zum Turm hinaufblickte und – von seitlich kommend – keinen Blumenkranz um das bewußte Fenster vorfand. Haben diese Idioten tatsächlich den eigentlichen Feiertag zugunsten einer (nichtmal ernsthaft als kommerziell zu bezeichnenden) Wochenendbedeppung wegrationalisiert?
Nein, pflichtschuldig führen sie auch am 29.9. um 12:00 h das Prozedere aus. Aber eben nur pflichtschuldig!
Mir dieser inflationären Pseudo-Event-Wochenendfüll-Spaß-Bedeppung bedient man nur die Geltungssucht dieses oben genannten Hörfunkunternehmens und so eines regionalen, täglich erscheinenden Printmediums. Zugegeben, das schadet noch keinem und ist noch kein Grund sich ernsthaft drüber aufzuregen, zumal so vielleicht auch mal noch ein schulpflichtiges Kind in den Genuß einer 12 Uhr-Vorstellung zu kommmen die Möglichkeit hat. Vor allem der Kinder wegen, ist dieses Schauspiel ja so schön. Und wenn einer meint, um so eine kurzszenische Nichtigkeit ein tagelanges Event entspinnen zu müssen, bitteschön!
Aber dann dem eigentlichen Feiertag noch mit der ihm zugedachten Blumenbekränzung die letzte Würde zu nehmen (die großspurig am Wochenende vorhandene “Sicherheitsabsperrung”, die die Kinder vor der Straßenbahn schützt oder umgekehrt, war trotz Vorstellung auch nicht mehr da, genausowenig – leider – wie ein Heliumballonverkäufer), zeugt von einer unsäglichen und völlig maßbefreiten Kulturignoranz aller Beteiligten, denn allein diese Kleinigkeit hätte über den Irrsinn am Wochenende hinwegtrösten können, ihre Abwesenheit potenziert die verheerende Wirkung.

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Heinz Erhard

20. Februar 2009 - 10:25 Uhr

Beste Wünsche zum virtuell 100. Geburtstag!

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Kunst und Handwerk II

17. Januar 2009 - 13:37 Uhr

17.1. 13:37 Wie schon im Kommentar zum letzten Eintrag zu diesem Thema anklang, gibt es zwei Möglichkeiten, wie Kunst zu Kunst wird. Durch den Künstler oder durch den Rezipient.
Wobei einfach der gemeinsame Nenner besteht, dass, tja, für sie aus der Herstellung oder der Aufnahme Emotionen generiert werden, die sie haben möchten.
Folglich ist der Kunstbegriff, wen wunderts, etwas sehr subjektives. Und um zu einer Objektivierung zu gelangen, wird man entweder einschränken und damit ein wenig verfälschen müssen oder die Allgemeinheit der subjektiven Kunstbegriffe aufsummieren. Für eine persönliche Haltung zur Kunst empfielt sich wohl, sich auf seinen Geschmack zu verlassen und gleichzeitig zu überlegen, was ein komplett unterschiedlicher Geschmack von etwas gesehenem halten könnte.
Eine zweite erwähnte Eigenschaft möchte nochmals kurz genannt werden: Künstlichkeit. Das Objekt – es muss nicht stofflich greifbar sein – muss in irgendeiner Weise einem Produktionsprozess unter Beteiligung eines Menschen unterworfen gewesen sein. Das ist leicht zu erreichen und so gut wie immer der Fall, hier nur nochmal der Vollständigkeit halber gesagt.
~18:17 Ich hab die Tilde die letzten Male fälschlich verwendet, auch diesesmal, sie war nämlcih zur Unterscheidung gedacht, ob ich scon wieder schreibe oder ob ich noch schreibe. Zusammenfassend ist also Kunst etwas vom Menschen gemachtes, was bei einigen Menschen gewünschte Emotionen hervorruft. Und wahrscheinlich müssen auch die Leute, die wünschen nicht identisch mit denen sein, die die Emotionen kriegen. So funktioniert wohl schockierende Kunst. Das ist jetzt mal vorerst eine recht passable Definition, allerdings sollte sie noch mindestens so weit frisieren, daß Kokain keine Kunst ist. Bei einem guten Blowjob bin ich mir nicht sicher, aber gefühlsmäßig gehört er auch ausgenommen.

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Handwerk und Kunst

15. Januar 2009 - 11:50 Uhr

13.1.2009 9:01 HS IV Ich hab noch was wichtiges vergessen: Es gab im Hostel mal eine sehr interessante Diskussion zum Thema Abgrenzung von Handwerk und Kunst. Also auch kunstvolles Handwerken bzw. handwerkliche Kunst. ~10:01 Ph-Nord Mal sehen, ob ich die wesentlichen Positionen noch hinreichend zusammenkriege.
Kunst entsteht dadurch, dass sich Leute drüber unterhalten contra Kunst entsteht durch die persönliche Haltung des Kunstschaffenden zu seinem Werk.
Kunst muss mit Perfektion im Handwerk einhergehen contra Leinwandscheißer.
Es ist sehr schwer, diese Widersprüche aufzulösen, da jede Betrachtung ihre Berechtigung hat. Die Einordnung als Kunst erst durch gewisse Öffentlichkeit ist insofern problematisch als durch sie ja per definitionemm potentielle Kunst keine Kunst ist. Das kommt mir merkwürdig vor, allerdings muss man auch sehr genau über den Sachverhalt mit dem Schaffenden sprechen, also mit seiner Haltung zum Werk. Das allein kanns auch nicht sein. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich mal einer eine Sache aufzeichnet, um sie besser zu verstehen oder nicht zu vergessen, also definitiv ohne künstlerischen Anspruch, dann aber diese Zeichnung nachträglich als eines der größten Werke des, was weiß ich, lithographischen Symbolismus gesehen wird. Es wäre also doch Kunst.
Ist die Frage, ob es dann auch Kunst geben kann, von der keiner je wußte. Ganz einfach, nehmen wir unsere Zeichnung des lithographischen Symbolismus, nur dass sie diesmal der Zeichner, gleich nachdem er sie geschaffen hatte, weil er dann kapiert hatte, was er wollte, vernichtete.

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Hoch oder Tief

1. Dezember 2008 - 15:35 Uhr

Ein Denkanstoß, der zwar nicht besonders interessant ist, dafür aber auch nicht viele Ergebnisse liefert ist die Meditation über die Eigenschaften von mit “Hochparterre” oder “Tiefparterre” bezeichneten Stockwerken. Ob erstere Bezeichnung existiert, möchte ich nicht mit Sicherheit beantworten, trotzdem stelle ich mir die Frage, ob solche Gebäude, die man nicht ebenerdig betreten kann, ein Erdgeschoss besitzen.
Da man sich den ersten Stock immer irgendwie oben vorstellt, also über dem Erdgeschoß, wo auch Leute wohnen oder Büros sind oder sowas, ist es schwierig, eine Bezeichnung für ein erstes Bewohntes Stockwerk zu finden, für das man sagen wir so etwa eineinhalb Meter hinaufgehen muss, nachdem man das Haus betreten hat.
Das ganze wird noch schwieriger, wenn man auch noch einen halben Stock runter kann und da auch jemand wohnt, möglicherweise handelt es sich um ein Hanggrundstück (zumindest um ein nicht einnieveauiges) und man kann das Haus ebenerdig betreten, dann ein wenig nach oben oder unten gehen und das Haus auf der gegenüberliegenden Seite ebenerdig verlassen. Was ist dann was.
Und wenn jetzt runterwärts keiner wohnt, sondern nur Kellerlagerräume oder sowas vorhanden sind, Waschküche etc., man aber ein halbes Stockwerk rauf muss, um zur ersten Wohnung zu kommen, die sich dann tatsächlich deutlich über Erdniveau befindet, wäre dann die möglicherweise tatsächlich nachvollziehbare und verständliche Bezeichnung “Hochparterre” allein deswegen abzulehnen, weil dem Stockwerk eben genau das Erdniveau fehlt.
Naja, ich sags ja, ein komisches Thema.

Dem Helmut noch herzliche Grüße und Glückwünsche und Zitat des verwendeten Textes (hier gibts den für Strophe 11 verwendeten Satz) von Paul Gerhard, “Die güldne Sonne”, Strophen 1, 5, 6, 11, 9:
Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder; aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht.
Ich hab erhoben zu dir hoch droben all meine Sinnen; lass mein Beginnen ohn allen Anstoß und glücklich ergehn. Laster und Schande, des Luzifers Bande, Fallen und Tücke treib ferne zurücke; lass mich auf deinen Geboten bestehn.
Lass mich mit Freuden ohn alles Neiden sehen den Segen, den du wirst legen in meines Bruders und Nächsten Haus. Geiziges Brennen, unchristliches Rennen; nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde von meinem Herzen und wirf es hinaus.
Willst du mich kränken, mit Gallen tränken, und soll von Plagen ich auch was tragen, wohlan, so mach es, wie dir es beliebt. Was gut und tüchtig, was schädlich und nichtig meinem Gebeine, das weißt du alleine, hast nie­mals keinen zu sehr noch betrübt.
Gott, meine Krone, vergib und schone! Lass meine Schulden in Gnad und Hulden aus deinen Augen sein abgewandt. Sonsten regiere, mich lenke und führe, wie dir’s gefället; ich habe gestellet alles in deine Beliebung und Hand.

Zum Abschluss noch ein paar Links:
Ein Gedanke zu logisch, um neu zu sein, eine Anlage, deren nicht-Existenz eigentlich schon peinlich ist: Nutzung von Erdölbegleitgasen als Kraftstoff
Zeitungsartikel über Veröffentlichung einer britischen Studie für die UN bzgl. Drogenprohibition mit forderung des cannabisbezüglichen Ausstiegs aus derselben
Beutelspachers “Mathematik zum Anfassen” im Dezember in Augsburg

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Kleines Arbeitszimmer, hohes Fenster, davor ein kahler Baumwipfel.

3. Juli 2008 - 22:19 Uhr

Hiermit sei erinnert an den Gedenktag Kafkas, der heute vor einer wohl angenehm rund anmutenden Zahl von Jahren entweder (ich glaube, das wars, ja) das Licht der Welt erblickte oder es zum letzten Male sah.
Es fällt mir sehr schwer, in diesem Zusammenhang nicht diesen einen der wunderschönsten Sätze der Literaturgeschichte zu zitieren und hoffe, es wird mir nicht unruhige Träume bereiten, stattdessen den eher mager bevorbenen Beginn von “Der Gruftwächter” anzuführen.
Mag sich doch der ein- oder andere mal wieder eines Morgens zurückziehen und sich ein Urteil über die Strafkolonie bilden und sich dort den ungeheueren Prozess der Verwandlung des Kommandanten in ein zerrissenes Traumschloß für die wahren Hungerkünstler, das Ungeziefer, miterleben sehen.
Bei den Links findet sich auch ein solcher zu einem Werke-Archiv.

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Die Welle

19. März 2008 - 14:54 Uhr

Der Film mit dem Vogel über das Buch, zu dem es schon einen Film gibt, was alles auf einer wahren Begebenheit beruht, konnte mich nicht überzeugen.
Was so in etwa passiert, ist eh klar. Gleichzeitig wurde versucht, mittels diverser Anspielungen und Faktennennungen die Story nach Deutschland und in die aktuelle Zeit zu übertragen, schön realistisch sollte es vielleicht auch noch werden, und da beginnt spätestens die Kritik.
Wir Rezipienten sahen uns nicht in der Lage, zu entscheiden, ob der Drehbuchautor zwar ausgewachsen, aber dennoch redlich bemüht war, Zeilen zu fabrizieren, die ein 14-jähriger nicht hätte besser machen können, oder ob er tatsächlich 14 war, was einige Schwächen des Buches doch besser erklären könnte.
Denn trotz der kleinen Anklänge, mithilfe genannter Mittel ein ansatzweises Realitätsflair zu erzeugen, verhalten sich alle Personen so statisch und so zaunpfählig instrumentalisiert, dass genau dieses erschreckende Moment, in dem einem klar werden könnte, dass solche autokratischen Auswüchse jederzeit und überall entstehen und ihren Reiz und dann auch Macht entfalten können, nicht auftritt.
Die Wirkungslosigkeit dieses Filmes sei mit der Anekdote beleuchtet, dass das hier kommentierende Rezipiententum so unberührt vom ernsten Inhalt des Filmes war, dass es selbst noch in den letzten Minuten, als einige sperrige unangebrachte Sätze fielen und gleichzeitig ein Polizist auftrat, der Kurt Beck nicht unähnlich sieht, nicht mehr ansich halten konnte und in Gelächter verfiel. Ein bitteres Zeichen.

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