Kategorie: Allgemein


Ein Gespräch

14. Januar 2012 - 17:40 Uhr

Wie ist das eigentlich, fragte er den Professor, wenn so ein Flaschengeist grad keine Wünsche erfüllen muss; hat der dann frei? Geht der dann mit seinen Kumpels zum Tanzen? Und wenn er dann wieder ran muss, muss er dann alles stehen und liegen lassen in seiner Dimension und rüberhasten zum Gebieter?
Ach, weißt Du, meinte der Professor, im Grunde ist es doch ein ganz schön plattes Weltbild, das die Ökos da haben. Ein verzweifelter Festklammerversuch am status quo von Leuten, die nicht mit Veränderungen umgehen können.
Die zukünftige Welt, die sie sich vorstellen, können sie sich in ihrer eingeschränkten Phantasie nicht lebenswert machen und darum rauben sie in ihrem rücksichtslosen Egoismus künftigen Generationen die Chance, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Diese Fortschrittsfeindlichkeit zwängen sie anderen mit der anthropozentrischen Horrorvision auf, die Menschheit werde sich hungernd in völkerwandernden Kriegen gegenseitig zermürben, bis sie sich ihrer klimatischen Lebensbedingungen selbst entledigt und so den Exitus des Homo Sapiens besiegelt haben würden.
Wer der Ökoideologie nicht folgt, wird nicht mit argumentativen Überzeugungsansätzen bedacht, sondern aus einer arrogant pseudoaristokratischen Position heraus zum teuflischen Weltzerstörer herabgestuft.
Und das nur, weil man – wohlgemerkt dem evolutionären Plan folgend – auch umsetzt, was möglich ist.
Wer gibt denen denn das Recht, sich als was besseres zu gerieren, nur weil sie meinen, die geistige Rafinesse zu besitzen, auf wissenschaftlicher Logik basierende Hypothesen über weit in der Zukunft liegende Ereignisse anzustellen, und die charakterliche Größe, diese in ethische Handlungsvorgaben umzusetzen, deren eventuell so verhinderte Konsequenzen sie sowieso erst nach ihrem statistischen Ableben zu spüren bekämen!?
Wo kommt denn bitte der ganze Wohlstand her, in dem sie sich selbstgerecht fortschrittsasketisch hinstellen und einen selbst aungebauten vegetarischen Braten in einem Solaröflein backen, mit dem sie den Hunger in der dritten Welt stillen wollen?
Sie haben sich lediglich dazu entschlossen, ihr Leben in einer unglaublich unpraktischen Weise führen zu wollen, meinetwegen, aber sie können nicht von mir verlangen, mich genauso dumm zu verhalten.
Wenn man freiwillig auf alles verzichtet, was das Leben angenehmer macht, nimmt sich das alles halt einfach jemand anders.
Erstaunlich, zugegeben, wenn man es trotzdem durchhält, abstrakt-irreale Lebensbedingungen anderer zur Grundlage für moralisches Handeln und daraus folgenden Selbstverzicht zu machen.
Es ist aber doch kein Konzept, lediglich auf Verdacht allem zu entsagen, was möglicherweise irgendwelchen hehren Idealen widersprechen könnte – und das auch noch in einer so fernen Zukunft, dass dies alles per se nicht verifizierbar ist.
Das ganze mag unter diesen konstruierten Bedingungen zwar gut und richtig scheinen, die eigentliche Frage ist aber: wie weit ist man verpflichtet vorauszudenken, um seine Handlungen moralisch zu begründen und wie pessimistisch muss man seine Annahmen anlegen.
Es ist nämlich gerade der Optimist, der sich eine so freie Geisteshaltung bewahrt, dass sein Machbarkeitsglauben im Endeffekt Auswege aus der Misere aufzeigen könnte. Der Pessimist hingegen verharrt in seiner Starre und vorgefertigten überkommenen Denkmustern und landet – da er den Fortgang der Welt dennoch nicht stoppen kann – so in seiner selbstgestellten Falle.
Öko oder nicht – ich weiß, auf welcher Seite ich stehen will!

Am 8.1.12 auf Bank der Künste veröffentlicht.

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Was Sie über Mais wissen sollten

2. Dezember 2011 - 20:32 Uhr

17.11.11 19:35 Mais, die polentaspendenden gelben Körnchen, deren vielseitig verwendbares Mehl universellen Einsatz in der Nahrungsmittelindustrie gefunden hat und spätestens als Grundgerüst für die aufplusterndcrunchigen Erdnuss-Locken seine für Peanuts aromatisierte Allgegenwart bei geselligen Anlässen gefunden hat, wohingegen jene als Sauerkonserve bei selbigen die unauslöschliche Diskussion, ob sie nun unverzichtbarer, fakultativer oder absolut abstoßender Bestandteil des aus mindestens zwei Konserven zusammengestelten Chilis nach Art des Hauses sind, stammt bekanntlich aus Südamerika.
22.11.11 09:38 digital, reanalog, verändert 25.11. 20:45 Es geht das Gerücht, ein indigener Gott – natürlich, sie hören lieber Überwesen mit historisch-lokaler Gotteskraft – habe ihn geschaffen, indem er eine goldene Träne in den Mutterboden fallen ließ, aus der sich der für seine Völker segensreiche güldene Lebensspender erhob. Eigentlich ein klasse Vorgang, diese Nuggetbaumpflanzung, lediglich den Alchimisten der alten Welt offenbar nicht bekannt gewesen, das Wissen um diese Technik hätte wohl mannigfach Verbrennungen, Verätzungen und Schwermetallvergiftungen unter den Anhängern dieser Zunft verhindert.
Nunja, letztendlich wären sie ja doch unzufrieden gewesen, dass zwar auf diese Weise wertvolles geschaffen wird, Nahrung, Rohstoff, Perspektive, aber eben garnienicht Edelmetall. Dass dieser Dritte-Welt-Zeus zwar silberblickend Gold über die Wangen kullern lassen kann, dieses aber, anstatt es zu horten, sich damit zu schmücken und eventuell mal gelegentlich als dekadent-wirkungsloses Nahrungsergänzungsmittel durch die Gedärme zu schieben, in ein Sozialprojekt verbuddelt, hätte sie auch zum Heulen gebracht – nur eben Rotz und Wasser.
Nun, so schlimm ist es dann doch nicht gekommen, da die Hersteller nahrungsmittelähnlicher Industrieprodukte gewissenhaft die Technik zu optimieren begannen, das zu wertlose Nahrungsmittel durch das richtige Maß an Denaturierung und behutsam-luftreiche Verpackung wieder zu Gold zu verwandeln. Immerhin ein ausgefeilterer Ansatz, als der der Zelloloidbeleuchter, lediglich die traditionelle Kombination von schlicht mittels Erhitzung zauberhaft entstellter getrockneter Maiskörnchen mit bewegten Bildern durch unverhältnismäßige Aufpreisung zu versilbern.
29.11.11.19:33 Bei dieser vielfältigen und verbreiteten Verwendung erwundert es doch sehr, daass eine zentrale Eigenschaft des Maises, die ihn zu einer der erstaunlichsten Geschöpfe in der Natur macht, nicht ausgenutzt, ja nichtmal außerhalb von Fachkreisen bekannt ist: seine Zweisämigkeit.
Dieser Begriff (lateinisch bisemilitas oder als latinisiertes Adjektiv bisem) bezeichnet Pflanzen, deren Reproduktionsmechanismus unabhängig 23:41 von den üblichen Mutationsabweichungen zwischen den Bestäubungsvariationen zwei unterschiedliche Samenkornchargen mit grundlegen verschiedenen Bauplänen bereithalten – natürlich bei gleicher genetischer Ausstattung.
Studien weisen darauf hin, dass diese Versionen über epigenetische Mechanismen, also über zweierlei Sätze an Genschalterstellungen, nicht aber an Genen, 1.12.11 9:30 realisiert wird.
Beim Mais wird die zweite Samenvarietät an einem besonderen Ort ausgebildet: in der Mitte des Strunkes entwickelt sich auf etwa halber Höhe im Maiskolben ein kleines schwarzes Körnchen, das von seinem Aussehen her viel mehr an einen Schwarzkümmelsamen denn an ein Maiskorn erinnert.
Pflanzt man dieses an, wächst daraus mit der zweiten Varietät eine Art süßer Nährmais. Die Wuchshöhe ist verglichen mit dem normalen Stärkemais etwas geringer, bezüglich der Wuchsform sind allerdings keine Unterschiede erkennbar. Auch die Frucht gleicht in der Form der bekannten, unterscheidet sich aber näher betrachtet sehr stark:
Angefangen bei den Hüllblättern sind diese sehr viel feiner und nicht faserig, so dass ihre frischen Spitzen als aromatische Salatbeigabe Verwendung finden können. Die gelben Körner sind ein bisschen kleiner als die der Normalform, aber deutlich süßer.
Überraschend bei dieser Varietät ist nun, dass der Kolben selbst mit einem recht süßen Fruchtfleich gefüllt ist, das in der Konsistenz an leicht unreife Bananen erinnert. Der Geschmack des Maisfleisches trägt ein Maisaroma, das gleichzeitig in seiner fruchtigen Süße an Birne erinnert.
Der Maiskolben aus dem schwarzen Mittelkorn lässt sich also nach dem Entfernen der gelben Hüllkörner noch schälen – zugegeben, nicht so komfortabel wie Bananen, deren Fasern in der Schale hauptsächlich längs verlaufen, wohingegen die Maisfasern ein robusteres Überkreuz-Geflecht bilden. Im Inneren findet sich dann volumenmäßig noch mal ähnlich viel Fruchtfleisch wie die Hüllkörner zusammen liefern. Und dieses birgt nur das eine schwarze Samenkorn.
Stellt sich die Frage, warum diese Fleischmaisvarietät nicht häufiger verwendet wird, sondern vielmehr total in Vergessenheit geraten zu sein scheint.
2.12.11 19:55 digital Das Problem liegt in der Beschaffenheit des Marktes. Obwohl viele Züchter, Bauern, Händler und auch die Nahrungsmittel verarbeitende Inustrie im Prinzip von dieser Varietät wissen, passt sie nicht in das Standardisierungskonzept bezüglich Verwertung, Vermarktung und Logistik.
Mais hat eben Mais zu sein und wird zum größten Anteil als getrocknetes Korn verkauft und verarbeitet, im Energiesektor dienen komplette Pflanzen als Biomasselieferant. Und nur zum geringsten Anteil gelangen die Kolben in den Verkauf und werden dann meist von Steakhausgästen oder Sommergrillern abgeknabbert.
Hierfür gibt es Strukturen, Maschinen, Abläufe. Nicht aber für den Fleischmais, der sich ob seines hohen Zuckergehalts eher Obstmais nennen sollte. Die markthemmenden Probleme beginnen schon bei der landwirtschaftlichen Produktion:
Noch gibt es keine Maschinen, die die Arbeit übernehmen, das schwarze Korn aus dem Strunk zu gewinnen, was einsehbarerweise aufwendiger ist, als das Abstreifen der Hüllkörner. Noch dazu ist die Ausbeite extrem gering, da ja nur ein Korn pro Maiskolben herausspringt.
Die kleinen Körnchen mit ihrem winzigen Mehlkörper und damit vergleichsweise kleinen Energiereservoir sind in ihrem Keimungsverhalten weniger robust, wodurch der Keimlingsertrag pro Aussaatmenge geringer ist als bei der herkömmlichen Sorte.
Und schließlich widersetzt sich der Mais auch noch dem Verteilungskonzept, da er durch seinen hohen Zuckergehalt gleichzeitig auch eine mit Obst vergleichbare Verderblichkeitsgeschwindigkeit hat, wodurch auch anschließend an die erschwerte Saatgutgewinnung und Aufzucht eine zeitnahe Vermarktung notwendig wäre.
Diesen Kampf gegen die Marktbedingungen haben in der Vergangenheit schon diverse traditionelle Lebensmittel verloren und so scheuen natürlich alle Beteiligten das Risiko, in dieses Randprodukt bzw. Strukturen für dessen Vermarktung zu investieren, zumal unbekanntes sowieso gerade im Ernährungssektor nicht leicht zu lancieren ist.
So wird der Fruchtfleischmais aus dem schwarzen Mittelkorn, der den Ureinwohnern Mittel- und Südamerikas willkommene Abwechslung und gleichzeitig zuverlässiger Nahrungsspender war, wohl weiterhin nur in Randnotizen von Fachzeitschriften Verbreitung finden, bis er vielleicht eines Tages den Sprung über ein kurzlebiges Modelebensmittel zurück zu den natürlichen Ernährern ganzer Generationen schafft.

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Zitat des Zeitpunkts “Ausschlusskriterium”

8. August 2011 - 12:09 Uhr

Per Versammlungsentschluss beschloss der Ausschuss abschließend, ausschließlich Schlüsse aus Einschlüssen an Aufschlüssen einzubeziehen; diese sind auch verschlossenen Geographen anschließend noch erschließbar.
Auf Anregung von und für meine(m) lieben Kollegen

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Karwochenspecial, Weltwärts

17. Juli 2011 - 02:15 Uhr

Es machten sich also auf: der Lotse, der Navigator und der Reisende. Und dabei ist es niemals ernsthaft eine Frage, ob nun eine Reise stattfindet. Jedoch ist es auch immer so, dass, wenn der Reisende nun nicht fährt, die Reise nicht stattfindet. Nunja, die Reise fand statt, also stimmte auch die Chemie zwischen Reisendem, Lotsen und Navigator, das Vertrauen war vorhanden.
Letzteres war beileibe auch Notwendigkeit, denn man hatte sich nichts einfaches vorgenommen. Die Reise sollte bis zu dem Ort führen, wo sie gestartet hatte. Und das rechtfertigte den ganzen betriebenen Aufwand.
Beim Reisevehikel handelte es sich um eine Art Fahrrad, das man sowohl mit seinen Füßen als auch mit der Kraft seiner Gedanken umtreiben und steuern konnte und das am meisten Fahrt aufnahm, wenn es direkt auf die Sonne zusteuerte.
Der Navigator hatte den Kurs aufs genaueste berechnet, der möglichst präzise nirgendwo hinführen würde und war bereit, jederzeit eine tiefgreifende Kurskorrektur vorzunehmen, sollte das Reiseziel das verlangen.
Des Lotsen Tätigkeit ist weisen und leiten. Hin auf Besonderheiten, herum um Gefahren; er kennt und fühlt sie, wähnt sie kommen. Tiefe benötigt seine Kenntnis, wendige Erfahrung seine Intuition, Behutsamkeit sein Handeln.
Nun zum Reisenden. Wiewohl er sich nach reiflicher Überlegung eigentlich vollends dem Wirken von Lotse und Navigator verschreibt, ist ja doch er der eigentliche Meister der Reise, seiner Reise. Er wird stets die Entscheidungen für seine Reise treffen, die Leitung durch Lotse und Navigator besteht, solange sie besteht und endet, wenn sie endet.
Doch was heißt hier endet, nun sollte die Reise erstmal beginnen. Der Reisende schwang sich auf sein Vehikel und war gespannt, wo ihn die Fahrt hinbringen würde, und das obwohl das Ziel von ihm gewählt und dessen Lage ihm bekannt waren.
Es war spannend, auf Reisen zu sein, denn so sehr er sich auch klargemacht hatte, auf Reisen sein zu werden, verrückte diese Entrückung dennoch die Wahrnehmung, was das Bewutsein erstmals zur Bestätigung zwang, tatsächlich auf Reisen zu sein. Man verändert sich mit der Landschaft, die man bereist, und wenn man diesen Zusammenhang akzeptiert hat, verändert sich die Landschaft mit einem selbst.
Die Reise führte in kleine und große Entfernungen, in denen man stets große und kleine Entdeckungen machen konnte; das größte Vergnügen bereitete dem Reisenden, Dinge zu entdecken, die er schon kannte. Denn obwohl er sie schon zu kennen glaubte, waren sie doch grundlegend anders. Sie waren nämlich genau so wie sie waren und wie er sie schon kannte, denn so mussten sie ja schließlich sein.
Nachdem er sich nun Ferne und Nähe angesehen hatte und feststellen musste, dass sie beide gleich weit voneinander und von ihm entfernt waren, stellte er fest, dass es niemals möglich wäre, alle Dinge in der Welt ständig neu zu erkennen und wieder neu kennenzulernen.
Ein Zeitproblem wäre es freilich nicht, denn die Zeit hatte er vorsorglich bereits angehalten, so musste er sich nicht ständig um deren Fortgang sorgen. Ernsthaft nötig wäre es zwar wohl auch nicht gewesen, alle Dinge in der Welt zu kennen, denn wenn es nicht möglich war, wie sollte es dann nötig sein?
Aber es amüsierte ihn. Die schiere Ziellosigkeit seiner Beschäftiung mit den Dingen bereitete Vergnügen.
Das Vehikel bewegte sich derweil immer weiter. Mit zunehmender Geschwindigkeit führte der Kurs des Navigators es wie an einer Perlenschnur geradewegs in Richtung Universum. Diese starre Bewegung brachte den Reisenden der Lösung seines nicht vorhandenen Problems näher: wenn er die Schöpfung in ihren Teilen nicht begreifen konnte, so wollte er sie einfach neu erfinden.
Der Lotse freute sich, dass die Fahrt den Reisenden in Bewegung versetzt zu haben schien. Er nickte dem Navigator zu, dieser lächelte zurück und leitete den finalen Schwenk ein, den die Reise nun verlangte: direkt auf die Sonne zu.
Der Reisende erkannte seine Chance: er breitete die Arme aus, öffnete den Mund zu einem einzigen Rachen, verschluckte die Sonne, und verwandelte sich in einen leuchtenden Vertilger von allem was war, was ist, was gewesen wäre, dessen seidig glänzende Haut von feurig pulsierenden Adern durchzogen war. Eine wahnsinnige Energie war es, die mit ihm eins wurde oder mit der er eins wurde; er war eins, er war alles.
Nun ist es ja so, dass alles eben nicht genug ist, wenn es nur eins ist. Also, um nicht unpräzise zu sein: es war mehr als genug, es war ja schließlich alles. Jedenfalls – nun im Wissen, alles selbst zu sein – entschied sich der Reisende, eine Schöpfung zu machen. Zuerst schöpfte er Papier und eine Tintenfeder.
Und so wie die Tinte, die er in plastischen Hügelzügen über das Papier verteilte von diesem zu flachen, beständigen Linien aufgesogen wurde, so verfestigten sich in ihm die Gedanken und Überzeugungen, wie seine Schöpfung aussehen sollte. Er gab sich damit durchaus Mühe, denn nichts zu tun ist durchaus gut und sinnvoll, zumindest ebenso sinnvoll wie irgendetwas, aber für den Anspruch, den man an sich selbst stellt, muss man durchaus etwas tun.
So hub der glühende Vertilger also an zu schöpfen und erschuf aus einem meisterlichen Gewebe von Energiebahnen, dessen zufällig wirkende Verbindungen Materie erzeugen, die Welt, die er mit allem was gewesen war, was war und was gewesen sein würde verschlungen hatte. Sie war viel besser als vorher, denn sie war so wie immer.
Nun befand er sich also wieder in der Gesellschaft von Lotse und Navigator am Ende seiner unglaublich langen Reise am Ort wo sie gestartet waren, erschöpft und zufrieden und stieß genüsslich die Zeit wieder an.
Eine Spinne springt vorbei: “Befreie Dich vom Anspruch!”

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Bitte hier kniggen

15. Juli 2011 - 15:28 Uhr

24.4.11 3:34 Ostersonntag Was interessantes gelesen, weil ich ausversehen eine Stunde zu früh aufgestanden bin: der Verlust der Benimmregeln rühre möglicherweise daher, dass für die Mittelschicht nicht länger die Orientierung nach oben richtung Adel entscheidender Faktor ist, sondern inzwischen das Proletariat psoudoikonisch in den medialen Mittlepunkt gerückt sei. Außerdem sei die Umgangslockerheit eine Hinterlassenschaft der 68er-Bewegung.
18:27 Nicht Benimmregeln zu folgen sei einfach einfacher – aber nur für einen selbst. Seinen Stuhl nicht anzustellen spart arbeit, denn es macht ja jemand anders. Trotzdem sei die Autorin nicht für eine Wiederbelebung der Regeln, findet es eher amüsant, diese Eigennützigkeit mitanzusehen. Ich sehe das etwas anders.
Viele Regeln sind sinnloser Mist, aber einige sind wie die oben skizzierte eben schon sinnvoll einzusetzen und verteilen Arbeit, Ärgernis oder Unliebsames etwas gleicher unter allen Beteiligten. Um diese ist es ein bisschen schade manchmal; der Rest kann gern in die Tonne – wobei ich zugeben muss, manchmal erst viel später einen Sinn bzw. den Sinn doch erkannt zu haben.
Es gibt aber doch noch eine Kleinigkeit zu bemerken über aussterbende Benimmregeln: verwendet man sie doch – man hat es natürlich dadurch oft schwerer oder unpraktischer – gelingt es einem bisweilen, unterschwellig einen positiven Grundeindruck zu hinterlassen, da man anderen eben unkomplizierter oder ähnliches vorkommt, bzw. eben quasi vor den Ecken und Kanten der anderen quasi unsichtbar erscheint.
Gut, leicht ist es auch, sich für jemanden abzuheben, der der eh auf sowas achtet, aber das war eben nicht gemeint, es geht um unbewusste Effekte.
Allerdings gibt es da leider noch einen: man kann oftmals ungewollt zu bestimmt, verbindlich oder unentspannt wirken, vor allem, wenn man den Fehler begeht, von anderen ähnliches zu erwarten.
Erwarte nicht, tue trotzdem, es läuft einfach immer wieder aufs gleiche hinaus. So ist das nunmal. Der Quellcode der Welt scheint halt doch immer wieder überall durch.

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Augsburger Fahrradkultur

30. Mai 2011 - 12:07 Uhr

…und ich bin jetzt ein Teil davon!
Durch meinen Aufenhalt zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin ich mal wieder in die Critical Mass geraten, jene angenehme Umwelt- und Fahrradkulturdemonstration im Stile eines Plauderpicknicks auf dem Sattel. Diese Veranstaltung bzw. die Teilnahme an ihr kann ich nur wärmstens empfehlen, vor Allem auch wegen der Leute, die man dort trifft, hier vereinigt sich nämlich ein unglaublich vielschichtiger Gesellschaftsausschnitt, schönerweise aber mit einem glücklicherweise verschwindend geringem Anteil an Durchschnitt.
Einer von ihnen, ihm sei der Beitrag gewidmet, hat sich so sehr der Fahrradkultur gewidmet, dass er in seinem kaleidoskopischen Blog deren Blitze und Strömungen auffängt und ihnen eine informativ-unterhaltsame Plattform bietet. Vorbeischauen lohnt sich und meine Blogroll wurde entsprechend ergänzt.

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Moralisches Dilemma

29. Mai 2011 - 11:39 Uhr

Seife ist etwas angenehmes, speziell ist ein Stück Seife ein in gelig überflüssigen Zeiten eine fast weggespülte Besonderheit. Obwohl ich sie ähnlich willkürlich auswähle (bzw. fast, denn das Gebot zur Simplizität führte mich natürlich auch zur Kernseife, die ich sehr schätze), macht sie auf mich nahezu grundsätzlich den besseren Eindruck als ihr gespendetes Pendant. Und zwar in puncto Bedienbarkeit.
Mir fällt es deutlich leichter, mich an die flutschige Glitschigkeit des Seifenstücks zu gewöhnen, als an eine Flüssigseife mit entweder zu geliger Konsistenz, die einem durch die Finger gleitet, noch bevor sie oder man selbst eine Lösung gefunden hat, oder zu dünner, die wohl zwar ihren Reinigungseffekt erzeugt, aber nicht den viskosen Sexappeal des hygienischen Aktes vermitteln kann.
Nun fanden im Ostertrubel zwei Skulpturseifen ihren Weg in meine Sammlung. Namentlich ein Hase und ein Schaf. Den Hasen bereits beim Händewaschen problemlos zur fast vollständigen Unkenntlichkeit verseift habend (lediglich ist er für meinen Geschmack zu parfümiert) kündigt sich nun in der Schale im Duschkabinett ein baldiger Seifenwechsel an, nur – ich zögere.
Ich hatte schon mehrmals das Schaf in der Hand, um es an seinen Bestimmungsort zu bringen, wurde aber nicht von Tierschutzfragen gehindert, sondern es war eine gewisse – hm – vielleicht Moralästhetik, die mich die Entscheidung verzögern ließ: der vorhin schon bezeichnete hygienische Akt bewegt sich verglichen mit der Handwaschung in delikatere Regionen, was die oben angeklungene Allegorie betrifft. Die Vorstellung, dort die Dienste (und sind es nur hygienische) eines Schafes in Anspruch zu nehmen, wirkt einfach komisch, da komme ich momentan noch nicht aus der Gedankenschleife raus.
Man kann sich zwar vorhalten, es sei nur ein Stück Seife; in meinem Fall habe ich mir das sogar bereits vorhalten lassen. Aber mit dieser Anschauungsweise würde man den Zauber des Symbolismus’ völlig außer Acht lassen. Würde ich diversen Leuten das Ding zeigen (wir sind jetzt wieder aus der Dusche raus und bei der Seife angekommen – ich sag’s nur zur Sicherheit) und einfach “Was ist das?” fragen, käme ich wohl auf einen garnicht mal so geringen Anteil an “Ein Schaf.” unter den Antworten und bin grad nicht sicher, ob “Seife.” häufiger wäre.
Das ist ja auch keine Fehleinschätzung, “Ein Schaf.” zu sagen und nur die Wenigsten würden sich die Mühe machen, “Ein Stück Seife in Form eines Schafs.” zu sagen. Der Mensch lebt mit Symbolen, er schafft Symbole, er mag Symbole und er sollte sie dann wohl auch ernst nehmen.
Aber übertreiben sollte er es wohl auch nicht. Es ist noch ein wenig hin, aber ich bin nun entschlossen; ich werde das Schaf aus seiner Verpackung nehmen und es mit Schmutz von weltlicher und moralischer Natur beladen und hoffentlich gereinigt daraus hervortreten.

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Leben nach Plan B

25. Mai 2011 - 17:05 Uhr

Zwar ist es ja eine Weisheit ohne Neuigkeitswert, dass Pläne dazu gemacht werden, geändert zu werden (die Wissenschaftsgemeinde möge mir nachsehen, dass ich in guter alter Manier meine Quelle für dieses Zitat weder suche noch angebe und das Zitat auch nicht in sonst einer Form – dies ist eine Ausnahme – kenntlich mache; auch die Journalistengilde möge hinnehmen, dass ich aus Gründen der Ehrlichkeit darauf verzichte zu behaupten, die Quelle sei dem Autor oder der Redaktion bekannt), dennoch gelüstet es mich, diese Tatsache zu emphasieren bzw. eine gewisse zugrundeliegende Grundhaltung zu preisen. Pläne sind wichtig. Nur nicht zu befolgen?
Naja, ich weiß nicht so recht. Pläne sind jedenfalls toll. Denn sie können aufgehen. Das ist eine tolle Eigenschaft für nicht-stoffliche Dinge. Man kann ihn auch umsetzen und das wenn man will in die Tat. Ok, das war jetzt alles Mist, ich versuch noch einen Anlauf.
Wer nach Plänen lebt, der vermag es vielleicht etwas mehr als andere, eine gewisse Effizienz in sein Wandeln zu bekommen. Das ist aber mit Sicherheit nur ein Vielleicht. Denn wer nach scheiternden Plänen lebt, der verbraucht sehr viel Energie fürs Scheitern. Halten wir also schon mal fest: Scheitern ist nicht wirklich praktisch. Zumindest nicht so praktisch wie nicht scheitern, vorausgesetzt, man wollte nicht scheitern, aber das ist jetzt auch wieder unnötig kompliziert. Belassen wirs beim nicht scheitern.
Was tun also? Nicht scheitern ist sicher die erste Antwort. Wie die Folgefrage. Vor dem Scheitern den Plan ändern! Scheitern ist ja ein Prozess, der seine Schatten vorauswerfen kann. Man sollte also behutsam den Plan wieder ein bisschen in die Sonne rücken. Sollte das nicht genügen, kann man ihn immernoch komplett umschmeißen und was anderes ausprobieren. Klingt nach einem Plan, oder?
Genau! Nach einem Masterplan nämlich. Für diesen sollte man sich etwas mehr Mühe geben. Die Mühe liegt in der Reduktion. Der Masterplan muss so vage sein, dass man nicht Gefahr läuft, seine aktuellen Pläne nicht darin wiederzufinden. Wäre ja blöd. Gleichzeitig sollte er nicht so unverbindlich sein, dass man von ihm nicht in die richtige Richtung geführt werden muss.
Ich empfehle die induktive Entwicklung des Masterplans: gefällt einem, was gerade zufällig passiert ist, sollte man möglichst allgemein versuchen herauszufinden, was dazu geführt hat, dass es passiert ist und dieses dann zu einer Handlungsmaxime machen. Gefällt einem etwas nicht, sollte man es vermeiden. Gefällt einem etwas nicht, was Handlung nach einer Maxime hervorgerufen hat, hat man eine Ausnahme gefunden, sprich, die Maxime war nicht genau genug. Viele Ausnahmen können wieder eine Regel bilden und mit der Zeit wird das Geflecht dichter.
Normale Pläne müssen sich an den Maximen messen lassen, erheben allerdings keinen Anspruch auf Umfassendheit. Sie können willkürlich beschlossen werden und ihr Fortgehen sollte überwacht werden, um früh genug auf Plan B umschwenken zu können.
Ach ja, Plan B ist immer Plan B! Niemals C oder D. Das bringt einen nur durcheinander. Außerdem ist das viel Vertrauenserweckender: wer einen Plan B hat, ist auf alles vorbereitet. Wer einen Plan C benutzt ist verzweifelt oder zumindest ungeschickt!
Gleich mit Plan B zu beginnen ist allerdings auch oft ganz amüsant, es schafft Abwechslung und fühlt sich etwas verwegen an. Das kann ich nur empfehlen! Nach Plan B folgt selbstverständlich Plan B.

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Dr. psycho promoviert

16. Mai 2011 - 20:43 Uhr

Ich hab mir was überlegt: wenn doch jetzt die Doktorarbeiten von so vielen Leuten entdoktort werden, dann sind sie ja keine Doktorarbeiten mehr. Und dann sind sie ja fast nichtmal veröffentlicht. Also kann ich mir ja jetzt die nicht geklauten Stellen vom Karl Theodor und von der Silvana und von der Stoiber-Tochter und von – hm, da war doch noch so ein Bundestagsabgeordneter, egal – nehmen und mir daraus eine neue originelle Doktorarbeit zusammenbasteln. Was kostet gleich nochmal “summa cum laude”?

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Zitat des Zeitpunkts “Kultur”

1. Dezember 2010 - 21:47 Uhr

Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten.
Oscar Wilde [aber ich befürchte, den Namen habe ich nur so dazugeschrieben]

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